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Die Transfusionsmedizin, die Lehre von der Therapie mit Blut und Blutbestandteilen, hat sich seit den fünfzigen Jahren als selbstständige Disziplin entwickelt. Transfusionsmedizin heißt nicht nur, eine Blutübertragung durchzuführen, sondern beschreibt den gesamten Aufgabenbereich von der Gewinnung, Verarbeitung, Lagerung, Überprüfung von Spenderblut bis zur Transfusion. Sie umfasst darüber hinaus die Durchführung blutgruppenserologischer und spezieller immunhämatologischer Laboruntersuchungen.
Pipette
Blut setzt sich aus zwei Hauptbestandteilen zusammen, der Blutflüssigkeit (Blutplasma) und den festen Bestandteilen, den verschiedenen Blutzellen. Die Blutzellen kann man unterteilen in rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutzellen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Alle Blutzellen werden im Knochenmark hergestellt. Außerdem enthält Blut viele weitere kleine Teilchen, die jedes für sich eine für das Leben notwendige Funktion haben. Blut kann nur vom Körper selbst gebildet werden und ist deshalb durch nichts zu ersetzen.

Unser Blut setzt sich zusammen aus:

Anteil Bestandteil
49,5 % Wasser (Blutflüssigkeit oder Blutplasma)
1,09 % Fett, Zucker, Kochsalz
4,4 % Eiweiße (Proteine)
0,07 % Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)
2,14 % Blutplättchen (Thrombozyten)
Daumen

Erythrozyten

Rote Blutzellen sind kleine, gut verformbare Zellen mit einem Durchmesser von weniger als 1/10 Millimeter. In einem Mikroliter Blut findet man mehr als 4 Millionen dieser Zellen. Sie enthalten den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin), mit dessen Hilfe der Sauerstoff von der Lunge in den Körper transportiert wird. Erythrozyten leben nur etwa drei Monate lang und sterben dann, vom Knochenmark allerdings werden pro Sekunde zwei Millionen neue Erythrozyten gebildet.
 
Jeder Mensch kann einen gewissen Blutverlust ausgleichen und verkraften. Ein gesunder Erwachsener kann 1 bis 1,5 Liter Blut verlieren, ohne dass schwere Schäden auftreten. Der Körper kann jedoch die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen, wenn der Blutverlust ein bestimmtes Maß übersteigt. Bei schwereren Unfällen und Verletzungen, bei inneren Blutungen oder bei Krankheiten, bei denen der Körper nicht mehr selbst ausreichend Blut bilden kann, müssen die Erythrozyten dann so schnell wie möglich durch eine Bluttransfusion ersetzt werden.

Leukozyten

Weiße Blutzellen sind größer als Erythrozyten und rund geformt. Sie gehören zum Abwehrsystem des Körpers. Sie sind in der Lage, körperfremde Gewebe und Zellen, also auch Krankheitserreger, zu erkennen. In einem Mikroliter Blut sind zwischen 4000 und 10 000 dieser Zellen vorhanden. Diese leben im Gegensatz zu Erythrozyten nur wenige Tage.
 
In Stresssituationen oder bei Infektionen werden viele weiße Blutzellen aus dem Knochenmark in die Blutbahn abgegeben und die Zahl steigt an. Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Leukozyten. Man unterscheidet u.a. Granulozyten und Lymphozyten. Beide erfüllen bei der Abwehr von Krankheitserregern unterschiedliche Aufgaben. Granulozyten sind vorwiegend für die Abwehr von Bakterien zuständig, Lymphozyten bei der Abwehr von Viren beteiligt. Manche Lymphozyten produzieren spezifische Abwehrstoffe, die Antikörper genannt werden. Diese können Viren und körperfremde Zellen mit Hilfe anderer Lymphozyten zerstören.
 
Werden zu wenige Leukozyten gebildet, funktioniert die körpereigene Abwehr nicht mehr und man bekommt leicht Infektionen.

Thrombozyten

Blutplättchen (Thrombozyten) sind die kleinsten sichtbaren Zellen im Blut. In einem Mikroliter befinden sich ca. 150 000 – 300 000 dieser Zellen. Sie sind als eine Art "inneres Pflaster" wichtig für die Blutgerinnung und sammeln sich an Stellen, an denen eine Ader verletzt wurde, um die Öffnung wieder zu verschließen. Mit ihrer Hilfe gerinnt das Blut und bildet eine Kruste.
 
Wenn zu wenige dieser Zellen vorhanden sind (z.B. weil sie vom Knochenmark nicht richtig gebildet werden), können kleine oder größere Verletzungen der Blutgefäße nicht mehr richtig „abgedichtet“ werden. Es kann zunächst zu kleineren Einblutungen in die Haut (Fachausdruck: Petechien), zu Nasenbluten, Zahnfleischbluten und später zu größeren, auch lebensbedrohlichen Blutungen kommen. In solchen Fällen benötigt der Patient eine Transfusion von Blutplättchen (Thrombozytentransfusion).

Blutflüssigkeit (Plasma)

Blut besteht zu 90 Prozent aus Wasser. Darin enthalten sind allerdings wichtige Stoffe: Eiweiße, die für die Aufrechterhaltung der Flüssigkeitsmenge in den Adern wichtig sind (z. B. Albumin), Gerinnungsfaktoren (ebenfalls Proteine), die neben den Blutplättchen für eine gute Blutstillung bei Verletzungen verantwortlich sind. Wasser, Eiweiße, Salze und Säuren bilden zusammen das Blutplasma.
 
In diesem System gibt es eine Vielzahl von Störungsmöglichkeiten. So können zu wenige Faktoren vorhanden sein und es kann zu Blutungen kommen. Krankhafte Faktoren können aber auch zu einer Aktivierung der Blutgerinnung führen, ohne dass eine Gefäßwandverletzung vorliegt; dann können Gefäßverschlüsse (Thrombosen) entstehen.
 
Bei sehr großen Blutverlusten oder Operationen wird Plasma transfundiert, ebenso bei Blutungskomplikationen mit einer Störung der Blutgerinnung. Viele wichtige Medikamente, wie zum Beispiel Gerinnungspräparate für Bluter, Präparate für Intensivpatienten und Mittel gegen schwere Infektionen, werden aus Plasma hergestellt.

Jeder Mensch hat „sein“ eigenes Blut, das sich in spezifischen, erbbedingten Eigenschaften von dem eines anderen Menschen unterscheidet. Deshalb kann Blut auch nicht beliebig von einem Menschen zum anderen übertragen werden. Dies ist vor allem bei Bluttransfusionen von großer Bedeutung: Würde man einem Menschen wahllos das Blut eines anderen übertragen, bestünde die Gefahr einer folgenschweren Abwehrreaktion gegen das Spenderblut, bei der die Zellen zerstört werden. Damit dies nicht passiert, muss Spender- und Empfängerblut in seinen wesentlichen Eigenschaften übereinstimmen.
 
Über 600 genetisch determinierte Blutgruppenmerkmale an roten Blutkörperchen (Erythrozyten), weißen Blutzellen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) sind heute bekannt. Nicht alle, aber doch einige der Blutgruppenmerkmale sind für die Verträglichkeit von Blutübertragungen von Bedeutung.
Blutgruppen

Das AB0-System

Für die Transfusionsmedizin wichtig ist das AB0-Blutgruppensystem, das in den Jahren 1901 und 1902 vom österreichischen Arzt und Nobelpreisträger Karl Landsteiner und seinen Schülern Decastello und Sturli entdeckt wurde. Man unterscheidet dabei vier Blutgruppen: 0, A, B und AB.

AB0-Blutgruppe Häufigkeit (Mitteleuropa)
A 43%
0 41%
B 11%
AB 5%

Der Rhesus(Rh)-Faktor

Die Bezeichnungen "positiv" und "negativ" beziehen sich auf weitere Merkmale von Blutgruppen. Rh ist die Abkürzung von Rhesus, dem Namen einer Affengattung, mit dessen Hilfe Landsteiner 1940 auch noch die Rhesusgruppen entdeckte.
 
Je nach dem Vorhanden- bzw. Nichtvorhandensein bestimmter Eigenschaften wird zwischen Rhesus-positivem und Rhesus-negativem Blut unterschieden. Der überwiegende Teil der Bevölkerung hat Rhesus positives Blut (85%), die restlichen 15% werden als Rhesus negativ bezeichnet.

Die bei einer Blutspende entnommenen Vollblutkonserven werden heute durch spezielle Techniken in verschiedene Bestandteile aufgetrennt (z.B. Erythrozyten, Thrombozyten, Plasma) und der Patient erhält nur die benötigten Anteile (Hämotherapie nach Maß).. Es gibt auch spezielle Spendearten, bei denen jeweils nur eine Zellart oder selektiv Plasma gewonnen wird.
 
Man unterscheidet also heute zwischen einer Transfusion von Erythrozyten, Thrombozyten oder Plasma. Selbstverständlich ist auch eine Transfusion von mehreren dieser Bestandteile möglich, wenn der Patient sie benötigt. Bei einer ambulanten Blutübertragung handelt es sich in der Regel um die Transfusion von Erythrozyten oder Thrombozyten.
Transfusion
Transfusionen von Erythrozyten werden bei vielen chronischen Erkrankungen, die eine Blutarmut (Anämie) zur Folge haben, erforderlich. Durch eine Transfusionsbehandlung werden die durch eine Anämie verursachten Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwindel und Atemnot gebessert.
 
Patienten, die an einem bösartigen Tumor oder an Leukämie leiden, können oft für einige Wochen ihre Thrombozyten (Blutplättchen) nicht ausreichend selbst bilden. Eine Thrombozytopenie ist mit einer beeinträchtigten Blutstillung verbunden, die wiederum zu erhöhter Blutungsneigung (z. B. Nasen oder Zahnfleischbluten, Hautblutungen (Petechien), Blutergüssen) und/oder verlängerter Blutungszeit (z.B. nach einer Verletzung) führen kann. Durch die Transfusionen von Blutplättchen kann diese gefährliche Zeit überbrückt werden.
 
Wie jede medizinische Maßnahme ist auch eine Transfusion von zellulären Blutkonserven oder anderen Blutbestandteilen nicht ganz ohne Risiko. Hierzu gehört beispielsweise die Übertragung bestimmter Infektionserkrankungen wie AIDS oder Hepatitis. Im Verhältnis zu früher ist heute die Wahrscheinlichkeit, sich durch eine Blutkonserve zu infizieren, sehr gering geworden. Bei dem HI-Virus, dem Erreger von AIDS, und beim Erreger der Hepatitis C liegt die Wahrscheinlichkeit in Deutschland aktuell unter 1 zu 20 Millionen.
 
Neben der Übertragung von Infektionskrankheiten gibt es auch noch andere Nebenwirkungen der Bluttransfusion, die jedoch alle nicht sehr häufig sind. So gibt es u.a. Unverträglichkeitsreaktionen, allergische Reaktionen oder es kann Fieber oder Schüttelfrost auftreten. Zur Vermeidung schwerer Reaktionen werden vor jeder Transfusion spezielle Verträglichkeitsuntersuchungen zwischen Blut des Patienten und Blutkonserve durchgeführt.
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